Studierendenpreis 2016

Studierendenpreis des IF geht an Adrian Azadvaten

Digitaler Denkmalschutz, das ist es, womit Motion Design-Student Adrian Azadvaten die Jury (Prof. Csongor Baranyai, Prof. Dr. Gora Jain, Prof. Cyrus Khazaeli, Prof. Ubbo Kügler, Florian Kühnle, Rana Öztürk, Prof. Dr. Christof Windgätter, Prof. Dr. Katrin Wolf) überzeugt hat und somit am vergangenen Freitag den Studierenden Preis des Institutes für gestalterisches Forschen (IF) erhielt. Prof. Dr. Christof Windgätter gratulierte vor dem Akademischen Senat im Namen der Jury und verlas deren Urteilsbegründung. Dort hieß es u.a.: „Diese Arbeit zeichnet sich besonders durch ihren forscherischen Ansatz aus, auch deshalb weil sie im Rückgang auf historische und zeitgenössische Beispiele die Vision eines zukünftigen Denkmalschutzes skizziert. Darin verbinden sich wissenschaftlich-archäologische Systeme mit technischen, ästhetischen und auch haptischen Möglichkeiten von Game Engines.“

Die Arbeit des BTK-Studenten aus dem 6. Semester trägt den Titel „Game Engines als virtuell-immersive Archivierungssysteme und dessen Notwendigkeit im digitalen Denkmalschutz.“ Worum es darin geht? Um den digital-virtuellen Rekonstruktionsversuch der prähistorischen Stadt Tell Halaf’s, welche im syrisch-türkischen Grenzgebiet liegt. „Mit dem analogen, sowie digitalen Denkmalschutz beschäftige ich mich schon seit längerem“, sagt Adrian Azadvaten. „Mit den Game Engines nun seit vier Jahren. Sie bieten neue Möglichkeiten, Objekte zu begutachten und in der Zukunft haptisch zu ertasten. Hier liegt die Besonderheit der virtuellen Realität, welche nun mit dem Aufkommen der Head Mounted Display’s räumlich begehbar werden.“

Dass er sich das Beispiel der prähistorischen Stadt Tell Halaf‘s ausgesucht hat, liegt an dem „bedauernswerten Schicksal“ dieses Siedlungsgebietes: Im 20. Jahrhundert untersuchte der deutsche Diplomat und Archäologe Max von Oppenheim den Ort und brachte Teile der Funde nach Berlin, wo sie im 2. Weltkrieg größtenteils zerstört wurden. Im Jahr 2007 wurden bestehende sowie restaurierte Objekte, die nicht eindeutig zugeordnet werden konnten an das Nationalmuseum Aleppos zurückgegeben, in dem sie heute ebenfalls Krieg und Zerstörung erwartet.

„Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges weiß man nicht genau, ob das Nationalmuseum Aleppos in seiner ursprünglichen Form noch besteht oder inwiefern es durch kriegerische Auseinandersetzungen zerstört wurde “, sagt Azadvaten. „So kam die Idee, Tell Halaf virtuell zu rekonstruieren und zu visualisieren, um diese für künftige Generationen nachhaltig erfahrbar und vor allem räumlich begehbar zu machen.“

„Ich freue mich sehr“, resümiert Azadvaten, „dass die Arbeit so hoch gewürdigt wird. Besonders als Designer finde ich es notwendig, sich mit Gestaltung und Forschung auseinanderzusetzen, um diese Disziplinen neu zu durchdenken und zu kombinieren. Denkmalschutz hat ja in erster Linie nichts mit Design oder Gestaltung zu tun, aber die heutigen, technischen 3D Programme bieten einem die Möglichkeit, schnelle und effiziente Rekonstruktionsmöglichkeiten vorzunehmen, in denen gestalterische Entscheidungen immer mehr an Bedeutung gewinnen.“